Die Amerikaner lieben sie. Sie ist neu und blutjung, geboren 2011 nach 18 monatiger Schwangerschaft. Ihren zwei älteren Schwestern sieht sie zum Verwechseln ähnlich. Sie ist multinational aufgewachsen in den USA, Indien und Schweden. Ein Kind dreier Väter: Martin Sandberg, Shellback und Savan Kotecha; aber ohne echte Mutter. Ein Newcomer, der offensichtlich so manche Menschen in Ekstase versetzt:
Ihr Name ist: “I wanna go” und sie ist Britney Spears neue Single; die dritte Auskopplung aus dem aktuellen Album “Femme Fatal”.
Femme Fatal – von Britney Spears als “heftiges Dancealbum” angekündigt – hat uns in Europa, insbesondere in Deutschland, bisher größtenteils verschont. Kurz nach dem Realease (März 2011) kletterte es hierzulande auf Platz 10 der Media Control Charts, hielt sich dort kurz, um dann still und leise im Meer zeitgenössischer Popalben zu versinken. Auch die beiden bisherigen Singleauskopplungen (“Till the world ends”, Media Control Single Charts Platz 27; “Hold it against me”, MC Single Charts Platz 23) konnten weder selbst großartige Verkaufszahlen erzielen, noch dem Absatz von Femme Fatal nennenswert auf die Sprünge helfen. Nun hofft man also auf diese dritte Singleauskopplung:

Britney Spears mit einer "Deadmaus" auf ihrem Top.
I wanna go zeichnet sich durch computergenerierte, clublastige, überproduzierte Sounds aus. Britney Spears’ hoffnungslos zerstörerisch bearbeitete Stimme hängt lose auf einem Instrumental-Gerüst, das wie ein Medley von Madonnas “Hung up“, Selena Gomez’ “Round and Round“, Eric Saades “Popular” und ein paar Pfeifeinlagen von Bob Sinclar klingt. Große Unterschiede zu den beiden vorherigen Singles sind genauso wenig auszumachen, wie eine eingängige Melodie oder Hook. Man fragt sich, wie die Arbeit der 10 (!) allein an diesen drei Songs beteiligten Writern und Produzenten wohl ausgesehen haben mag. Wie langweilig uniform der Produktionprozess aber wirklich gewesen sein muss, stellt man erst dann schmerzlich fest, wenn man sich auch noch den Rest des neuen Albums antut.
Denn: Dass Femme Fatal keine Popgeschichte schreiben wird, liegt nicht etwa daran, dass die Promotion schlecht wäre – man denke an die Kino-Werbung, die Auftritte in verschiedensten Magazinen (Harper’s Bazaar etc.) und auf den Startseiten der größten Mailservices der Welt, die Wahl von “I wanna go” als Titelsong für den US Sender Bravo, die Femme Fatal Tour… Es ist ganz einfach damit zu begründen, dass Britneys jüngstes Werk klingt wie jedes andere aktuelle Electro-Pop Album auch: eintönig, gleichförmig, flach und irgendwie wie Kesha. Dass das Album in Südkorea den ersten Platz der Charts erreichen konnte, scheint wie ein ironsicher Kunstfehler und wird wohl eher die Ausnahme bleiben. Um es mit den Worten von Kai Butterweck (laut.de) zu sagen: “Wenn es ganzer drei Jahre bedurfte, um ein Album dieser Qualität für jemanden mit einem derart hohen Standing wie Britney Spears zu kreieren, dann kann man nur hoffen, dass sich vor ihrem vierzigsten Geburtstag kein weiteres Material ankündigt.”